Natürliche Lebensweise „Wú Wéi“

 

„Wú Wéi“ umschreibt eine ursprüngliche Art, im völligen Einklang mit der Natur zu leben.

Es bedeutet wörtlich ein „handeln im nichthandeln“, ohne dabei etwas ungetan zu lassen.

Alles erfolgt im Fluss der inneren Autorität und dadurch in Synergie mit allem was existiert.

Die folgenden Wegweiser bilden auch die Basis zu vielen weiterführenden Erkenntnissen für ein erfülltes Leben auf allen Ebenen unserer Existenz. Die Gesamtheit dieser Botschaften erzeugt eine Schwingung für deine ganz persönliche Wahrheit, vergiss aber niemals, dass diese Wahrheit täglich wächst.

Frei nach den Niederschriften von Theo Fischer, Henry Borel und Peter Ebner - eine Komposition im Sinne von „Wú Wéi“.

 

Der Zu-Fall bewirkt den mühelosen Weg!

Eine Welt voller Natürlichkeit, Absichtslosigkeit, frei von Motiven und Streben.

Man lebt, ist offen für die Bewegungen des Daseins und empfängt alle Ereignisse mit freundlichem Gemüt.

Der Mensch im „Wú Wéi“ trifft seine Entscheidungen spontan – zumal es keiner aktiven Entscheidung bedarf, weil klar ist, was zu tun ist. Nie analysiert er eine Situation, er erfasst ihren Gehalt intuitiv, und aus diesen Erkenntnissen erwächst die Handlung. Auf diese Weise ist es dem kalkulierenden Verstand unmöglich, sich in Opposition zum Fluss des „Wú Wéi“ zu stellen. Wer im Fluss des Lebens verweilt, weiß, dass er den Herausforderungen des Lebens nicht mit Kampf bzw. Macht oder Anstrengung antworten muss. Auch braucht er sich nicht den Kopf darüber zu zerbrechen, wie die Dinge zu lösen sind. Würde er es tun, begegnet er den Dingen mit völlig unzulänglichen Mitteln.

 

Aufmerksam in der Wirklichkeit des Lebens!

Im „Wú Wéi“ lebt der Mensch vollkommen in der Gegenwart. Wohl besitzt er sein Erinnerungsvermögen, aber er benutzt diese Erinnerungen nicht maßgeblich. Er grübelt nicht an Problemen herum. Er denkt dann, wenn er es für sein Handeln benötigt. Ansonsten lässt er Gedanken kommen und gehen, wie sie auftreten, ohne sich mit ihnen zu befassen oder daran festzuhalten. Er gestattet ihnen nicht, dass sie sich bei ihm einnisten und wichtig machen. Er ist wie der Herbstwind und die braunen Blätter, er berührt sie, aber nimmt sie nicht weit mit. Sie fallen vom Baum, werden wieder zu Erde, nähren damit den Baum und bilden somit den Kreislauf der ewigen Existenz. Baum und Blatt sind immer eins!

So verfährt der Mensch im „Wú Wéi“ mit seinen Gedanken. Er verzichtet nicht auf seine Gedanken, aber verweist sie an den Platz, wo sie ihm gerade passen. Anstelle der ewig geschwätzigen Gedanken ist Aufmerksamkeit getreten. Er ist hellwach und entspannt, ihm entgeht keine kleinste Kleinigkeit des Alltags, er beobachtet seinen Alltag mit all seinen Sinnen gleichzeitig. Dort, wo zuvor noch sein reglementierter, konditionierter Verstand die Sinneseindrücke zensiert hat, erfährt er jetzt unmittelbar die Wirklichkeit ohne die verzerrenden und korrigierenden Einflüsse. Sein Weltbild ändert sich und wird von Moment zu Moment frischer und vor allem wahrlicher … er empfindet die Dinge so, wie sie wirklich sind!

 

Der Weg ist es, der uns glücklich macht …und nicht das Ziel!

Im „Wú Wéi“ kennt der Mensch keine Ungeduld. Überall, wo er sich befindet, ist er angekommen, ist er am richtigen Ort und Weg. Er wartet auf nichts. Was geschieht, geschieht, dies nimmt er genauso wertschätzend an und genießt. So lebt er von einem Tag zum anderen. Er will nichts Besonderes werden, denn er ist. Es gibt nichts, was er Besseres werden könnte, und er besitzt keinen Ehrgeiz nach Ehre oder Ruhm. Ihm genügt sein erfülltes Leben, sein Handeln nachdem was ihm wirklich gut tut. Auch weil er klar spürt, dass es dadurch unweigerlich auch der gesamten Umwelt und Natur gut tut!

 

Gefühle und Emotionen dienen der freien Entwicklung!

Der Mensch im „Wú Wéi“ versucht nicht seine eigenen Regungen, wie Gier - Neid - Eifersucht - Ehrgeiz - Furcht und wie sie alle heißen mögen, zu bekämpfen. Er akzeptiert und nimmt sie an, als etwas zu ihm gehörendes und identifiziert sie als etwas Vertrautes und Menschliches. Er beobachtet sie sorgfältig und achtet darauf, wie er in der Gegenwart auf Anreize von außen reagiert. Und er hat Erkenntnis über sich gesammelt, Einsicht gewonnen in die Tiefen seines Wesens. Unter dieser milden Aufmerksamkeit haben sich bei ihm Erfahrungen von innen heraus entwickelt. Wohl ist er nicht frei von Wünschen, aber er hängt nicht daran. Er ist fähig sich materiellen Besitzes zu erfreuen, aber er besitzt nicht! Er kontrolliert sich nicht andauernd, ob er die passende Geisteshaltung einnimmt, er kann sich sogar gehen lassen, völlig locker und frei leben und auch Emotionen zeigen. Von keinem Menschen, von keiner Institution nimmt er zwingende Weisungen entgegen - nicht wie sein Innenleben, sein Charakter beschaffen sein soll oder wie er sich zu verhalten hat. Er lebt nach seiner inneren Autorität, aber auch dieser ist er sich nicht zwingend bewusst. Er denkt nicht nach über Moral und Gerechtigkeit, er weiß, er handelt im Einklang, wenn er gemäß den spontanen Impulsen handelt, die sich stets im rechten Moment einstellen.

Es folgt ein einfaches, gänzlich unkompliziertes Verhältnis zu all seinen Gefühlen.

Er akzeptiert sie und lässt ihnen ungehindert freien Lauf, ohne irgendwelche Versuche zu machen, Gefühle zu unterdrücken oder sich gar dafür zu schämen. Für ihn ist Freude Freude und Trauer ist Trauer. Gefühle existieren für ihn nicht als verbale Begriffe, er horcht nicht in sie hinein, was sich dort regt und stellt anschließend fest: <Aha, ich liebe> Für ihn sind auch Gefühle keine Kontraste anderer Gefühle, also Hass das Gegenteil von Liebe, oder Freude das Gegenteil von Trauer. Für ihn ist Freude das, was es ist, und Trauer ebenso. Nichts ist das Gegenteil von etwas anderem, alles gehört zum großen Ganzen. Er erfährt Gefühle aus seinem Leben völlig frei und akzeptiert sie. Im „Wú Wéi“ erlebt er diese Gefühle direkt. Wer lernt, Gefühle pur zu erfahren, wird feststellen, dass ihnen eine andere Dimension zur Wahrnehmung der Wirklichkeit innewohnt!

Der Mensch im „Wú Wéi“ ist aufgeschlossen für menschliche Kontakte, gibt sich ungezwungen, offen und frei. Er sagt seine Meinung, lässt aber auch die Ansichten anderer gelten, natürlich ohne sich selbst nach diesen richten zu müssen. Er ist nicht rechthaberisch, vertritt aber klar seinen momentanen Standpunkt, ohne aggressiv zu sein oder andere überzeugen bzw. missionieren zu wollen. Von Politik und ihrem Wirkungsfeld lässt er seine Finger. Aber er beobachtet das Weltgeschehen aufmerksam und übernimmt gegebenenfalls Verantwortung. Er wendet nicht den Blick ab von Bösem, Krieg und Völkermord, von Unfreiheit und Tyrannei. Er nimmt diese Dinge an, als Bestandteil seines Lebens und sucht sie zu ändern, indem er ihnen vollste Aufmerksamkeit widmet, also ohne sofort aktiv zu handeln!

 

Leben passiert ausschließlich in der Gegenwart!

Der Mensch im „Wú Wéi“ hat jetzt keine Sorgen. Die Vergangenheit ist vorbei, sie existiert nicht mehr und niemals kramt er in seinen Erinnerungen oder holt den alten Krempel hervor. Was er an schwerwiegenden Dingen getan hat, zu dem steht er natürlich, und identifiziert sich damit ohne Angst. Und damit hat es sich. Er quält sich nicht andauernd und reibt sich mit Selbstvorwürfen auf oder gar nutzloser Reue. Er prahlt auch nicht mit seinen Erfolgen, seinem Wissen oder seiner Weisheit. Probleme erkennt er im Ansatz und wendet ihnen sogleich, ohne zu zögern, seine vollste Aufmerksamkeit zu und erfasst sie gründlich, ohne sie zu bewerten oder zu kommentieren. Dann wendet er sich wieder dem Tagesgeschehen, der Gegenwart zu und vergisst die Probleme. Die durch ihn wirkende Intelligenz findet die Lösung weitaus effizienter und rascher als sein begrenzter Verstand. Auf diese Weise gelangen die Dinge in Bewegung. Er tritt wieder in Aktion, wenn ein Impuls ihm dies aufzeigt. Dann aber ohne Zögern und ohne Zweifel an der Richtigkeit seines Tuns, und er macht es mit großer Freude sowie Liebe! Ebenso weiß er, dass auch Zukunft einer Illusion unterliegt, die wiederum auf Erinnerungen aus der Vergangenheit gründet.

Er kennt keine Depressionen, Neurosen oder psychosomatische Krankheiten. Mehr und mehr erschließt sich ihm sein Unterbewusstsein und zugleich auch das kosmische Überbewusstsein. Verdrängungen gelangen nicht mehr in dieses Feld. Denn was er erlebt, verarbeitet er direkt über die Sinne zum Tagesbewusstsein (Oberbewusstsein), ohne dass der Verstand Zugriff für seine Zensur erlangt.

Darum ist er ausgeglichen, seine Stimmung ist voller Harmonie und ruhig. Da er gelernt hat, sich an nichts, wirklich rein gar nichts zu binden, da er von allem losgelassen hat, wohnt in ihm eine vollkommene Gelassenheit. Nie wird er deshalb auf Ungewohntes, Unerwartetes gereizt reagieren. Er ist fähig jede Situation im Augenblick ehrlich zu erfassen, so wie sie sich ihm bietet. Er versucht nicht die Freuden des Lebens festzuhalten, er hängt ihnen nicht nach und versäumt dadurch nicht, was in dieser Zeit passiert.

 

Arbeit ist Vergnügen … wie alles was ehrlich gelebt wird!

Der Mensch im „Wú Wéi“ ist fleißig, aber in ihm wohnt keine Arbeitswut. Er benutzt die Arbeit ebenso wenig als Fluchtweg, wie er sich in andere Aktivitäten stürzt, um eine Schwäche zu kompensieren. Er arbeitet um des Vergnügens der Arbeit willen, nicht, um sie so schnell als möglich fertig zu bringen. Er liebt das was er macht. Er lässt sich nicht unter Leistungsdruck setzen. Und doch, oder gerade deshalb, ist er effizienter als viele, die unter höchstem Energieeinsatz streben. Gerade weil er so frei und ungebunden seinem Tun nachgeht, um des Tuns und nicht wegen des Resultates willen, gelingen ihm die Dinge meist mühelos und effektiv. Er ist absolut schöpferisch.

Seine Kreativität ist nicht beschränkt auf eine einzelne Kunstfertigkeit, wiewohl er seine Kerngenialität klar spürt, sie durchströmt sein ganzes Dasein und ist in allen Dingen sichtbar, die er anfasst. Er ist sich dieser Kreativität nicht bewusst, sie ist irgendwann, eines schönen Tages in sein Leben eingezogen, und seitdem wirkt sie.

Er ist nicht genusssüchtig, aber voller Lebensfreude der jeweiligen Schönheit. Wenn er genießt, lebt er im vollen Genuss. Wenn er genossen hat, ist der Genuss für ihn vorbei, weder in Gedanken noch Wünschen hängt er dem bereits erfolgten Vergnügen nach. Er schreitet weiter, bis ihm ein anderer Anlass zum Genießen begegnet. Er selbst sucht diese Anlässe aber nicht, sie bestimmen nicht seinen Lebensablauf.

Für ihn gibt es keinen Grund, sich hinter Gewohnheiten zu verstecken, die ihm vermeintlichen Lustgewinn bringen und ihm von der Gegenwart ablenken. Er stellt sich dem Leben mit Freude und benötigt solche Ablenkungen nicht. Wenn er sie dennoch annimmt, dann, weil schöne und erfreuliche Dinge bei ihm mit zum Erleben des Alltags gehören.

 

Erfolg, Macht und Weisheit gehen Hand in Hand!

Im „Wú Wéi“ strebt der Mensch nicht nach Einfluss in der Gesellschaft und hat keine Neigung, dort eine besondere Rolle zu spielen. Hat er Erfolg – und das hat er immer – dann steigt ihm dieser nicht in den Kopf. Er lebt seine Herzenstiefe voller Demut, weil er erkannt hat, dass sein Schicksal gelenkt wird, wohl von seinem freien Willen akzeptiert, dennoch von unendlich weiser Hand geführt.

Sollte er Aufgaben in der Öffentlichkeit übernehmen oder in einer Führungsposition agieren, verliert er nie aus dem Auge, dass er selber einer unter vielen ist und seinen Mitmenschen gleich, voller Sehnsucht und Zuneigung, Liebe und Menschlichkeit. Nach diesen Gegebenheiten handelt er. Profit bedeutet ihm nichts. Er strebt weder nach Gewinn noch nach Reichtum, denn er weiß, dass dieses Streben ihn unfrei machen würde. Vor allem ohne Streben fließen ihm die rechten Dinge des Lebens zu, eben gerade weil er sie gewaltfrei zu erringen sucht!

 

Liebe dich frei … gemeinsam ist der Weg!

In einer Liebesbeziehung, einer Partnerschaft oder Ehe bewahrt er seine Selbständigkeit und innere Freiheit. Das heißt nicht, dass diese Freiheit als Untreue verstanden werden soll - der Mensch im „Wu Wei“ ist beständig - es bedeutet, dass er die Integrität und die Bedürfnisse seines Partners in gleichem Maße wertschätzt wie die eigenen. Er ist fähig zu lieben, ohne besitzen zu wollen. Er betrachtet den Partner nicht als Privatbesitz, lässt sich aber ebenso wenig einvernehmen. In völliger Freiheit kann Liebe grenzenlos gedeihen, sich vereinen und potenzieren … gemeinsam ist der Weg!

 

Lebe dich frei … ehrlich Mensch sein!

Der Mensch im „Wu Wei“ lebt ein Leben ohne Probleme. Es erfüllt sich ausschließlich in der Gegenwart. Er orientiert sich an keinen Institutionen oder Religionen. Er lässt jeden sein, wie er ist. Er selbst hält sich aus aller Verwirrung heraus. Er bleibt frei und ungebunden. Von sich aus drängt er niemandem seine Meinung auf, versucht nicht, andere von seiner Lebensweise zu bekehren. Zwangsläufig wird er Vorbild. Man bemerkt seine Gelassenheit, den Frieden, den er ausstrahlt, seine Vitalität – und seinen Lebensgeist, der mühelos in seinem Leben wirkt. Wer ihn aufrichtig danach fragt, wird rückhaltlos Auskunft erhalten. Er gewährt Zugang zu all den Anleitungen, die zu seiner Wandlung beigetragen haben. Aber er will kein Guru, kein Führer sein, weil er weiß, dass jeder Mensch den Schritt zu sich selbst tun soll und auch wird. Der andere ist bestenfalls ein liebevoller Wegweiser - Wegbegleiter und dennoch sind beide „Eins“!

 

All die vorstehend beschrieben, typischen Verhaltensweisen sind Resultate von im „Wú Wéi“ lebenden Menschen und nicht als fixe Vorgaben zu sehen. Würde auch nicht passen, weil die Impulse ausschließlich und individuell in deiner jeweiligen Situation entstehen …jeden Moment neu!